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Uni-Sonderausgabe April 1998 |
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| Von Pascal Beucker |
| Der
"Lucky Streik" des vergangenen Wintersemesters
kam, wie die Öffentlichkeit ihn sich gewünscht hatte:
mediengerecht, aber wohltemperiert - bevor er überkochen
konnte, war er auch schon wieder vorbei. In der Zeit
hatte der "Creativ-Direktor" einer Werbeagentur
den Studierenden zwar geraten: "Seid radikal!"
Doch das wollten sie nun gerade nicht sein. Als die
Aussicht drohte, eine Protestfortsetzung könnte mit
individuellen Konsequenzen verbunden sein, zogen die
Studierenden lieber wieder ohne Transparente in die
Seminare, um artig ihre Scheine zu machen. Übrig
geblieben sind nur die Versuche einiger AktivistInnen,
den verblichenen Protest-Elan in Kongreßsäle und
Vereinsgründungen hinüberzuretten. Ein hilfloses und
wenig erfolgversprechendes Unterfangen. Dabei erfüllten die Studierenden ein paar Wochen lang hervorragend die in sie gesetzten Erwartungen - "phantasievolle Aktionen", soweit Kameras und Fotoapparate reichten. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt: FeuerspuckerInnen zogen durch die Städte: "Es brennt an den Unis!" Sportstudierende joggten "unseren Scheinen nach", und auch die Aktionsidee "Die Bildung geht Baden - Wir auch" durfte nicht fehlen: Zwischen Dortmund und Duisburg sprangen NachwuchswissenschaftlerInnen in Rhein und Ruhr; Ulmer Studierende stiegen in die Donau, Kasseler in die Fulda und der Hamburger Nachwuchs in die Alster. In der Wupper sollen ebenfalls einige Jung-AkademikerInnen gesichtet worden sein. Entsprechend wurde der Aufstand der "Kuscheltiere" ("Süddeutsche Zeitung") goutiert: Fernsehteams wurden von einer Uni zur anderen geschickt, die Printmedien füllten ihre Seiten mit Berichten von der "Streikfront". Allerorten erklärten sich RektorInnen und ProfessorInnen "solidarisch". NRW-Wissenschaftsministerin Anke Brunn (SPD) begrüßte die Aktivitäten der studentischen Kurzzeit-Aufständischen ebenso wie Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers (CDU). Schließlich, so Rüttgers, wollten die "nicht die Weltrevolution, sondern bessere Studienbedingungen". Selbst Helmut Kohl erklärte seine "Sympathie und Unterstützung". Nur durchgesetzt haben die Studierenden selbstverständlich nichts. Ist Enttäuschung angebracht? Mitnichten. Es ist noch nicht allzu lange her, da ergab eine Zeit-Umfrage, daß sich 83 Prozent der bundesdeutschen Studierenden für "leistungsorientiert", 77 für "karrierebewußt" und 68 Prozent für "angepaßt" halten. Als "politisch interessiert" bezeichneten sich hingegen gerade mal 38 Prozent. Vom politischen System der BRD waren zwei Drittel "völlig" oder "ziemlich" überzeugt. Die Zeit konstatierte eine "optimistische Generation": "Kohls Kinder mögen die Republik und glauben an die Zukunft." Wenn bei der einen oder dem anderen inzwischen doch ein kritischeres Nachdenken eingesetzt hat, dann ist der "Lucky Streik" nicht umsonst gewesen. |
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