26.01.2005

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*   Kirchenmann droht mit weltlichem Gericht
Von Pascal Beucker
Erzbistum sieht Kardinal Joachim Meisner vom Kölner Ratsherrn Claus Ludwig beleidigt und will "rechtliche Schritte" prüfen. Ludwig denkt nicht an eine Rücknahme seiner Äußerungen und bezeichnet den Kirchenmann weiter als "Hassprediger".

Mit seiner Kritik an Kardinal Joachim Meisner hat sich der Kölner Ratsherr Claus Ludwig den heiligen Zorn des Erzbistum zugezogen. "Mit Ihren öffentlichen Äußerungen beleidigen Sie den höchsten Repräsentanten der katholischen Kirche in Köln", heißt es in einem Brief des Generalvikars des Kölner Erzbischofs, Dominik Schwaderlapp, an Ludwig.

In dem Schreiben, das auch OB Fritz Schramma (CDU) "zur Kenntnisnahme" erhielt, fordert der Generalvikar vom Ratsvertreter des kleinen Wahlbündnisses "Gemeinsam gegen Sozialraub" eine "öffentliche Korrektur" seiner Aussagen. "Andernfalls werde ich rechtliche Schritte gegen den beleidigenden Inhalt Ihrer Äußerungen prüfen lassen", drohte Schwaderlapp.

Anlass für dessen Unmut ist ein Artikel in der taz, in dem Ludwig unter anderem mit den Worten zitiert wurde: "Durch die Gleichsetzung des Nazi-Völkermords mit Abtreibung verhöhnt Meisner die Opfer des Holocaust". Weiter bezeichnete er den Kardinal als "echten Hassprediger", der einen "aggressiven Fundamentalismus" vertrete. Für Schwaderlapp "eine untragbare Entgleisung, die einer öffentlichen Richtigstellung" bedürfe.

Ludwig aber denkt nicht an Widerruf. Er sehe der angedrohten Prüfung rechtlicher Schritte "gelassen entgegen", so der linke Ratsherr zur taz. Seine Wertung von Meisners Äußerungen sei "sachlich und von der Meinungsfreiheit gedeckt". Die Art, wie Meisner "seit Jahren Schwangerschaftsabbrüche in den Mittelpunkt seiner Reden stellt, gegen die Gleichstellung von Schwulen und Lesben polemisiert und mit Inbrunst Soldatengottesdienste zelebriert", sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass er zum Kreis christlicher Fundamentalisten zu zählen sei. Wenn Meisner in seiner Dreikönigstagspredigt wieder einmal Frauen und Ärzte auf eine Stufe mit Verbrechern gestellt habe, nehme er "zumindest billigend in Kauf, dass seine Anhängerschaft Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch haben vornehmen lassen, verachtet und hasst", so Ludwig. Daher halte er auch die Formulierung "Hassprediger" für korrekt.


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