30.08.2006

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*   KOMMENTAR: Abschied vom Werbeträger
Von Pascal Beucker

Die nordrhein-westfälischen Grünen haben schnell reagiert. Durch seine Mitgliedschaft bei Scientology sei eine weitere Zusammenarbeit mit Franz Rampelmann nun nicht mehr möglich, gab die Partei gestern bekannt. Nach dem Outing des "Lindenstraßen"-Schauspielers vom Wochenende hat der Landesvorstand damit eine im Grundsatz richtige Entscheidung getroffen. Denn so begegnen die Grünen wirksam dem Verdacht, sich von der Psychosekte instrumentalisieren zu lassen. Schließlich versucht die Organisation seit Jahren schon, sich in der Öffentlichkeit als zu Unrecht verfolgte Religionsgemeinschaft darzustellen, der es angeblich nur um das Gute, Wahre, Schöne geht. Ein bekennender Scientologe, der daneben auch noch bei den Grünen engagiert ist, würde hervorragend in diese Strategie passen.

So nachvollziehbar der jetzt getroffene Beschluss der Grünen auch ist, so bleiben doch einige Fragen: Hätte es nicht zum guten Stil gehört, mit Rampelmann erst einmal persönlich zu sprechen, anstatt ihm aufgrund von Zeitungsveröffentlichungen jene Zusammenarbeit aufzukündigen, mit der man sich jahrelang geschmückt hat? Hätten sich nicht diejenigen, die so gerne mit ihm in unzähligen Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen aufgetreten sind, mal intensiver mit ihm unterhalten sollen? Möglicherweise wäre dann ja aufgefallen, dass Rampelmann nicht nur Bioprodukte klasse findet, sondern auch die wirre Ideologie eines L. Ron Hubbard. So bleibt das Gefühl, dass sich die Partei nie wirklich für die Ansichten ihres Vorzeigewahlkämpfers interessiert hat. Dabei hätte ein Blick ins Internet gereicht, um Rampelmanns Namen auf Teilnehmerlisten von Scientology zu finden. Doch für die Grünen waren stets nur die Stimmen wichtig, die der Fernsehstar für sie einheimsen konnte. Alles andere war offensichtlich egal. Seinen Werbewert hat Rampelmann nun für die Grünen verloren.


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