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Mit der 32-jährigen
Bochumer HBV-Sekretärin Annette Falkenberg und dem
59-jährigen Journalisten Klaus H. Jann, Stadtrat in
Wülfrath bei Düsseldorf, als Spitzenkandidaten wird die
nordrhein-westfälische PDS zur Landtagswahl am 14. Mai
antreten. Das beschloss ein zweitägiger Landesparteitag
am Wochenende in Duisburg. Auf Platz 3 setzte sich in
einer Kampfabstimmung die 31-jährige Sozialpädagogin
Petra Mahmoudi aus Wuppertal gegen die Duisburger
Stadträtin Irina Neszeri durch. Auf dem Parteitag
verabschiedeten 176 Mitglieder und 16 stimmberechtigte
Sympathisanten zudem ohne größere Kontroversen ein
Landtagswahlprogramm, dessen Schwerpunkte in der
Wirtschafts- und Sozialpolitik liegen. Bei den
NRW-Kommunalwahlen im September letzten Jahres errang die
PDS durch den Wegfall der 5-Prozent-Hürde 51 Sitze in
Stadträten und Bezirksvertretungen. Ihr bestes Ergebnis
erzielte sie mit 4,2 Prozent der Stimmen in Duisburg.
Für die Landtagswahl werden der Partei, die in NRW nur
über 1.200 Mitglieder verfügt und erstmalig zur Wahl
antritt, zur Zeit zwischen 1,5 und 3 Prozent
prognostiziert. Der 43-jährige Knud Vöcking ist seit
1996 Landessprecher der NRW-PDS. Bis 1982 Mitglied der
FDP, saß Vöcking von 1984 bis 1994 für die Grünen im
münsterländischen Warendorf im Stadtrat, sechs Jahre
davon als Fraktionssprecher.
Eine persönliche Frage: Sie
waren in der FDP, dann in den Grünen. Nun sind Sie in
der PDS. Was wird Ihre nächste Station sein?
Knud Vöcking: Ich
bin mir in der ganzen Zeit inhaltlich treu geblieben, das
Parteiensystem hat sich nur verschoben. In der FDP war
ich als Linker und habe sie nach ihrem Kurswechsel 1982
und ihrem inhaltlichen Abschied von allen linken Resten
verlassen. Als mich bei den Grünen die FDP wieder
einholte, bin ich da rausgegangen. Ich habe nicht den
Eindruck, dass mir das bei der PDS auch passieren
könnte.
Ihr früherer
Parteifreund Jürgen W. Möllemann scheint der
erfolgreichere Landesvorsitzende von Ihnen beiden zu
sein. Laut den Umfragen könnte die FDP im Mai den Sprung
in den Landtag schaffen. Für die PDS sieht es nicht so
gut aus.
Knud Vöcking: Es
tut ein bisschen weh, wenn man sieht, dass Luftikusse wie
der Möllemann mit einer frechen Medienkampagne und als
Krisengewinnler des CDU-Niedergangs plötzlich ihre
Prozente wieder kriegen. Wir legen uns nicht auf Zahlen
fest. Natürlich streben wir fünf Prozent plus X an. Ob
das klappt, werden wir sehen.
Halten Sie
fünf Prozent für Ihre Partei tatsächlich für
realistisch?
Knud Vöcking: In
der jetzigen politischen Lage sind Überraschungen
möglich. Zur Zeit strebt die CDU die
Fünf-Prozent-Hürde von oben an. Warum sollten wir die
dann nicht von unten überspringen?
Vielleicht
weil der eine oder die andere in Ihr an diesem Wochenende
verabschiedetes Wahlprogramm schaut und den Eindruck
bekommt, dass die PDS landespolitisch nicht viel
anzubieten hat?
Knud Vöcking: Das
stimmt so nicht. Natürlich ist NRW Entwicklungsgebiet
für die PDS. Wir haben hier gerade mal 1.200 Mitglieder.
Aus der Kleinheit unseres Landesverbandes ergibt sich,
dass wir noch eine geringe kommunalpolitische Verankerung
und keine landespolitische Erfahrung haben. Die
erarbeiten wir uns gerade. Unser Programm hat aber schon
eine ganze Menge mit den konkreten Fragen im Lande zu
tun. Das gilt besonders für den sozial- und
bildungspolitischen Bereich.
Nehmen wir den
Bereich Ökologie. Dieser Programmteil wurde ohne
Diskussion beschlossen und macht den Eindruck, als
hätten Sie einfach nur von den Grünen abgeschrieben.
Knud Vöcking: Die
Ökologie ist tatsächlich für uns noch
Entwicklungsgebiet. Da müssen wir ehrlich zugeben, dass
die Bewusstseinslage der Partei diesen Bereich bisher
nicht unbedingt prioritär behandelt. Ich habe den
Programmentwurf der Grünen noch nicht gelesen. Aber ich
habe verfolgt, wie diese Partei ihre Landesliste
zusammengestellt hat. Da gibt es nur noch brave
Handwerker, die der Regierung hinterherlaufen. Wir gehen
davon aus, dass das Programm ähnlich aussehen wird.
Daraus
resultiert Ihre Zuversicht auf ein gutes Abschneiden der
PDS bei der Landtagswahl?
Knud Vöcking: Wir
werden sicher auch zum Teil Proteststimmen bekommen. Aber
vor allem werden wir wegen des politischen Programms
gewählt, was wir hier in NRW anbieten. Und wegen unseres
bundespolitischen Profils als Partei der sozialen
Gerechtigkeit und als Antikriegspartei. Zudem verstehen
wir uns als sozialistische Bürgerrechtspartei. So treten
wir zum Beispiel ein für eine stärkere direkte
Demokratie, für Bürgerbegehren und -entscheide, für
eine erleichterte Einbürgerung usw.
In Ihrem
Wahlprogramm taucht der Punkt Bürgerrechte erst ganz
hinten auf noch hinter dem Tierschutz und dem
Punkt "Dem Dorf eine Zukunft".
Knud Vöcking: Das
hat nichts mit der Wertigkeit zu tun, sondern hat sich
aus der Redaktionsarbeit der Programmkommission so
ergeben.
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