04.07.2002



Interview mit Ulrich Breite

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taz

 "Ich darf nicht im Fummel gehen"
Von Pascal Beucker und Sebastian Sedlmayr

Ulrich Breite, Kölner Fraktionsgeschäftsführer der FDP, sprach mit der taz über seine Nachteile als Vorsitzender des  Sportclubs Janus, die schwule Politik der Liberalen und Köln als „paradiesische Insel für Schwule und Lesben“.

Ulrich BreiteHerr Breite, auf welchem Wagen fahren Sie am Sonntag auf der Parade mit: dem der FDP oder dem des SC Janus?

Ulrich Breite: Ich fahre traditionell auf dem Wagen des SC Janus. Der Vorsitzende muss bei seinen Vereinsmitgliedern sein.

Und was werden Sie anhaben?

Ulrich Breite: Nein, ich werde nicht im Fummel gehen, sondern Jeans und wahrscheinlich ein Hawaiihemd tragen. Ich darf nicht zu schräg aussehen, denn die Vereinsmitglieder achten auf ihren Repräsentanten. Vor sechs oder sieben Jahren habe ich mal auf dem Wagen rumgeknutscht und war wohl auch ein bisschen leicht bekleidet. Danach gab es im Verein eine Diskussion darüber, ob der Präsident das dürfe. Zuerst war ich verblüfft, aber es zeigt, wie ernst viele von uns den CSD nehmen. Der CSD ist halt mehr als nur eine Spaßveranstaltung.

Was dürfen Sie denn in der FDP? Und seit wann?

Ulrich Breite: Ich habe mich vor etwa 13 Jahren geoutet. Damals war ich 25 Jahre alt und hatte meine erste Beziehung. Ich habe es zunächst meinen Eltern gesagt, dann meinen Parteifreunden. Ich lebte damals noch im Sauerland und machte auch dort Politik. Meinem Beispiel sind dann noch ein paar andere gefolgt.  „Ach, auch du!“ sagten die – und dann outeten sie sich ebenfalls. Aber es gab auch nicht wenige in der FDP, die damit Probleme hatten. Erst mit der Kommunalwahl 1994 hat sich da etwas geändert. Die lief nicht so gut für die FDP. Außer in der Stadt Werdohl: Da gab es einen offen schwulen FDP-Spitzenkandidaten und der hat das beste Ergebnis geholt, während die Altvorderen aus dem Stadtrat rausflogen. Da haben sie dann gesehen, dass Schwule sogar im Sauerland ankommen können. Allerdings habe ich trotzdem meine politischen Zukunftsperspektiven im Sauerland nicht so gut eingeschätzt und bin dann doch lieber nach Köln gezogen.

In der Kölner FDP gab es keine Probleme?

Ulrich Breite: Nein, hier haben wir ja inzwischen mit Ralph Sterck als Fraktionsvorsitzenden und mir als Fraktionsgeschäftsführer quasi eine schwule Doppelspitze. Dass dann und wann Witze gemacht werden, ist klar. Das finde ich auch ganz natürlich. Aber wir beide sind als Repräsentanten der FDP voll akzeptiert.

Gilt das auch für den Kölner Stadtrat?

Ulrich Breite: Ja, auch dort. Natürlich hat der eine oder andere bei unserem Koalitionspartner von der CDU seine Probleme mit meinem Schwulsein. Und dann gibt es welche, die sagen, das ist nicht meine Welt, aber du bist ein guter Junge und deshalb machen wir das zusammen. Deren Haltung ist mir die liebste, weil sie ehrlich ist. Insgesamt gibt es schon ein sehr liberales Klima hier. Das war natürlich nicht immer so. Da hat auch Volker Bulla von den Grünen, der inzwischen in Kiel im Justizministerium sitzt, viel Pionierarbeit geleistet.

Homophobe Sprüche wie vom Düsseldorfer Oberbürgermeister haben Sie noch nicht erlebt?

Ulrich Breite: Nein. Das könnte man sich als Kölner OB auch heute nicht mehr erlauben. Es ist einfach so: Köln ist im Vergleich zu anderen Gegenden eine paradiesische Insel für Schwule und Lesben. In Düsseldorf oder auch im Bergischen sieht es schon ganz anders aus. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass es auch hier teilweise noch massive berufliche Karrierehindernisse gibt. Schwule und Lesben werden auch in Köln in manchen Betrieben gemobbt und diskriminiert. Da ist noch viel zu tun.

Warum gibt es eigentlich in der FDP-Bundestagsfraktion immer noch keine offen bekennenden Schwulen und Lesben?

Ulrich Breite: Manche sagen, sie hätten einfach den richtigen Zeitpunkt verpasst. Meiner Ansicht nach ist es zwar nie zu spät, aber das ist eben Ansichtssache. Jeder muss diese Entscheidung selbst treffen. Ich hätte nur Probleme damit, wenn jemand in der Öffentlichkeit sagt, er sei heterosexuell, obwohl er schwul ist.

Wird denn auch jemand von der FDP-Bundesprominenz bei der Parade mitfahren?

Ulrich Breite: Mit den Grünen können wir zwar nicht mithalten, aber möglicherweise wird die Generalsekretärin Cornelia Pieper dabei sein. Unser Kölner Bundestagsabgeordneter Werner Hoyer wird Standdienst machen.


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