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Ulrich
Breite, Kölner Fraktionsgeschäftsführer der FDP, sprach mit der taz
über seine Nachteile als Vorsitzender des
Sportclubs Janus, die schwule Politik der Liberalen und Köln
als „paradiesische Insel für Schwule und Lesben“.
Herr
Breite, auf welchem Wagen fahren Sie am Sonntag auf der Parade mit:
dem der FDP oder dem des SC Janus?
Ulrich
Breite: Ich fahre traditionell auf dem Wagen des SC Janus. Der
Vorsitzende muss bei seinen Vereinsmitgliedern sein.
Und
was werden Sie anhaben?
Ulrich
Breite: Nein, ich werde nicht im Fummel gehen, sondern Jeans und
wahrscheinlich ein Hawaiihemd tragen. Ich darf nicht zu schräg
aussehen, denn die Vereinsmitglieder achten auf ihren Repräsentanten.
Vor sechs oder sieben Jahren habe ich mal auf dem Wagen rumgeknutscht
und war wohl auch ein bisschen leicht bekleidet. Danach gab es im
Verein eine Diskussion darüber, ob der Präsident das dürfe. Zuerst
war ich verblüfft, aber es zeigt, wie ernst viele von uns den CSD
nehmen. Der CSD ist halt mehr als nur eine Spaßveranstaltung.
Was
dürfen Sie denn in der FDP? Und seit wann?
Ulrich
Breite: Ich habe mich vor etwa 13 Jahren geoutet. Damals war ich
25 Jahre alt und hatte meine erste Beziehung. Ich habe es zunächst
meinen Eltern gesagt, dann meinen Parteifreunden. Ich lebte damals
noch im Sauerland und machte auch dort Politik. Meinem Beispiel sind
dann noch ein paar andere gefolgt.
„Ach, auch du!“ sagten die – und dann outeten sie sich
ebenfalls. Aber es gab auch nicht wenige in der FDP, die damit
Probleme hatten. Erst mit der Kommunalwahl 1994 hat sich da etwas geändert.
Die lief nicht so gut für die FDP. Außer in der Stadt Werdohl: Da
gab es einen offen schwulen FDP-Spitzenkandidaten und der hat das
beste Ergebnis geholt, während die Altvorderen aus dem Stadtrat
rausflogen. Da haben sie dann gesehen, dass Schwule sogar im Sauerland
ankommen können. Allerdings habe ich trotzdem meine politischen
Zukunftsperspektiven im Sauerland nicht so gut eingeschätzt und bin
dann doch lieber nach Köln gezogen.
In
der Kölner FDP gab es keine Probleme?
Ulrich
Breite: Nein, hier haben wir ja inzwischen mit Ralph Sterck als
Fraktionsvorsitzenden und mir als Fraktionsgeschäftsführer quasi
eine schwule Doppelspitze. Dass dann und wann Witze gemacht werden,
ist klar. Das finde ich auch ganz natürlich. Aber wir beide sind als
Repräsentanten der FDP voll akzeptiert.
Gilt
das auch für den Kölner Stadtrat?
Ulrich
Breite: Ja, auch dort. Natürlich hat der eine oder andere bei
unserem Koalitionspartner von der CDU seine Probleme mit meinem
Schwulsein. Und dann gibt es welche, die sagen, das ist nicht meine
Welt, aber du bist ein guter Junge und deshalb machen wir das
zusammen. Deren Haltung ist mir die liebste, weil sie ehrlich ist.
Insgesamt gibt es schon ein sehr liberales Klima hier. Das war natürlich
nicht immer so. Da hat auch Volker Bulla von den Grünen, der
inzwischen in Kiel im Justizministerium sitzt, viel Pionierarbeit
geleistet.
Homophobe
Sprüche wie vom Düsseldorfer Oberbürgermeister haben Sie noch nicht
erlebt?
Ulrich
Breite: Nein. Das könnte man sich als Kölner OB auch heute nicht
mehr erlauben. Es ist einfach so: Köln ist im Vergleich zu anderen
Gegenden eine paradiesische Insel für Schwule und Lesben. In Düsseldorf
oder auch im Bergischen sieht es schon ganz anders aus. Allerdings dürfen
wir nicht vergessen, dass es auch hier teilweise noch massive
berufliche Karrierehindernisse gibt. Schwule und Lesben werden auch in
Köln in manchen Betrieben gemobbt und diskriminiert. Da ist noch viel
zu tun.
Warum
gibt es eigentlich in der FDP-Bundestagsfraktion immer noch keine
offen bekennenden Schwulen und Lesben?
Ulrich
Breite: Manche sagen, sie hätten einfach den richtigen Zeitpunkt
verpasst. Meiner Ansicht nach ist es zwar nie zu spät, aber das ist
eben Ansichtssache. Jeder muss diese Entscheidung selbst treffen. Ich
hätte nur Probleme damit, wenn jemand in der Öffentlichkeit sagt, er
sei heterosexuell, obwohl er schwul ist.
Wird
denn auch jemand von der FDP-Bundesprominenz bei der Parade mitfahren?
Ulrich
Breite: Mit den Grünen können wir zwar nicht mithalten, aber möglicherweise
wird die Generalsekretärin Cornelia Pieper dabei sein. Unser Kölner
Bundestagsabgeordneter Werner Hoyer wird Standdienst machen.
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