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25.03.1999 |
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| Von Pascal Beucker |
| Stefan Kuntz hat
in seiner langen Fußballerkarriere viele große Spiele
gemacht. Jetzt wartet auf den derzeit verletzten Profi
des VfL Bochum und ehemaligen Nationalspieler eine
besondere Herausforderung: Am 23. Mai wird er für die
saarländische SPD an der Bundespräsidentenwahl
teilnehmen. Herr Kuntz, was macht Ihr Knöchel? Stefan Kuntz: Was er eine Woche nach der Operation so machen kann. Es ist allerdings sensationell, wie sich in den letzten sechs, sieben Jahren die Reha-Maßnahmen verändert haben und der Heilungsprozeß dadurch beschleunigt werden kann. Der Fuß wird viel früher schon bewegt. Den Umständen entsprechend ist alles okay, alles prima. Offensichtlich können Sie auch während Ihrer Verletzungspause nicht über Langeweile klagen. Die saarländische SPD hat Sie vergangene Woche als einen ihrer Vertreter für die im Mai stattfindende Bundesversammlung benannt. Hat es Sie verwundert, daß diese Nominierung für einigen Wirbel gesorgt hat? Stefan Kuntz: Ich glaube, daß das mit der Benennung von Wahlmännern, die nicht aus der Politik kommen, auch so beabsichtigt ist, daß man die Popularität von dem einen oder anderen nutzt, um etwas Publicity auf die jeweilige Partei zu lenken. Hat Sie der saarländische Ministerpräsident Reinhard Klimmt, der sich für Ihre Nominierung stark gemacht hatte, vorher gefragt, wen sie denn zum Bundespräsidenten wählen werden: Johannes Rau oder Dagmar Schipanski? Stefan Kuntz: Nein, der Grundsatz der geheimen Wahl gilt auch für diese Wahl. Könnte das dann nicht ein Eigentor für die SPD werden? Stefan Kuntz: Dazu kann ich nur nochmals auf einen wichtigen Grundsatz verweisen - und der heißt Geheimhaltung. Was hat denn Ihrer Ansicht nach Fußball mit Politik zu tun? Stefan Kuntz: Die Unterschiede sind mir wichtiger: Der Fußball generell bietet ein sehr breites Forum, mit dem sich viele Menschen identifizieren können. Ich glaube, das ist der zentrale Unterschied zur Politik. In der Politik ist halt manches nicht so durchsichtig, wie es der Bürger gerne hätte. Fußball hingegen ist nun mal ein sehr einfaches Spiel, das jeder nachvollziehen kann. Allerdings ist die Politik richtungsweisend für die Bürger. Trotz aller Unterschiede zieht die Fußballersprache immer weiter in die Politik ein. Ihr saarländischer Landsmann Lafontaine hat seinen Rücktritt recht fußballerisch mit dem "schlechten Mannschaftsspiel" der Regierung begründet. Finden Sie das einleuchtend oder eher merkwürdig? Stefan Kuntz: Daß man auf Begriffe aus dem Fußball in der Politik zurückgreift, finde ich okay, weil der Fußball schon irgendwie das Leben widerspiegelt. Einfach das Erleben sozialen Verhaltens untereinander im Verein: unter Druck, im Erfolg und in der Niederlage - das kennt sicherlich jeder auch aus dem normalen Leben. Deswegen ist der Gebrauch von Begriffen aus dem Fußball nicht überraschend. Allerdings scheinen in der Politik doch andere Regeln zu herrschen: Wenn in einer Fußballmannschaft das Zusammenspiel nicht funktioniert, dann wird üblicherweise doch der Trainer ausgewechselt. Stefan Kuntz: In der Politik gibt's keinen Trainer. Sie sind inzwischen 36 Jahre alt und gelten somit als "Fußballmethusalem" ... Stefan Kuntz: Ja. ... Für einen Politiker hingegen wären Sie noch richtig jung. Könnte Ihre Nominierung für die Bundesversammlung nicht der Einstieg in eine neue Karriere sein? Vielleicht als "junger Wilder" im Bundestag? Stefan Kuntz: Man sollte das machen, was man kann. Das wird nach meiner Fußballerkarriere wahrscheinlich auch etwas im Fußballbereich sein - und nicht in der Politik. Da fehlt mir einfach das nötige Grundwissen zu. Ich bin zwar während meiner Schulzeit in Staatsbürgerkunde unterrichtet worden, aber um Politiker zu werden, dafür fehlt mir dann doch die nötige Kompetenz. |
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