Die
schleswig-holsteinische Justizministerin Anne Lütkes zu
den Vorwürfen gegen die Iranische
Flüchtlingskinderhilfe Köln.
Frau
Lütkes, was verbirgt sich hinter der "Iranischen
Flüchtlingskinderhilfe e.V."?
Anne
Lütkes: "Verbergen" - tut sich da
überhaupt nichts. Der Verein "Iranische
Flüchtlingskinderhilfe" ist ein offiziell
anerkannter Träger der Jugendhilfe.
Sie
haben den Kölner Verein 1993 mitgegründet und sind -
zusammen mit ihrer Parteifreundin Kerstin Müller - immer
noch in dessen Vorstand. Nun sagt das Bundeskriminalamt
laut Focus,
dass es sich dabei um eine Tarnorganisation der
linksislamistischen iranischen Volksmudschaheddin
handelt. Was meinen Sie, wie das BKA zu dieser
Einschätzung kommt?
Anne
Lütkes: Sollte es tatsächlich eine solche
Einschätzung - wo immer sie herkommt - zu diesem Verein
geben, ist sie schlicht falsch.
Mit
bis zu elf Millionen Mark hat die Stadt Köln die
"Iranische Flüchtlingskinderhilfe" pro Jahr
unterstützt. Doch nur ein Bruchteil soll den Kindern
zugute gekommen sein. Was wissen Sie über die Verwendung
der Gelder?
Anne
Lütkes: Nach Bestätigung des
Rechnungsprüfungsamtes sind alle Gelder, die für diese
Kinder bestimmt waren, ordnungsgemäß verwand und für
deren Betreuung und Versorgung eingesetzt worden.
Das
Rechnungsprüfungsamt hat jedoch in einem Bericht vom
Januar festgestellt, dass "Aktenmaterial und
Prüffeststellungen Zweifel daran aufkommen lassen, ob
die Kinder und Jugendlichen in dem nach dem Kinder- und
Jugendhilfe-Gesetz erforderlichen Umfang erzogen und
betreut worden sind". Ist vielleicht doch nicht
alles mit rechten Dingen in Ihrem Verein vorgegangen?
Anne
Lütkes: Hintergrund ist eine
pädagogisch-fachliche Diskussion über
Betreuungskonzepte, mit denen auf Erziehungsanforderungen
reagiert wird. Eine Frage also, die sich für alle
heranwachsenden Kinder stellt, nicht nur für iranische.
In
dem von Focus
angeführten vertraulichen BKA-Bericht soll es über
Ihren Verein heißen: "Weiterhin werden Kinder nach
Zeugenaussagen weitestgehend von der Umwelt abgeschottet,
zeitweise in einem Arrestzimmer eingesperrt, misshandelt
und bei nicht organisationskonformen Verhalten in
psychiatrische Kliniken eingewiesen." Wie genau sind
Sie über die Arbeit der "Iranischen
Flüchtlingskinderhilfe" informiert?
Anne
Lütkes: Ich bin so gut informiert, dass ich
sicher sagen kann, dass diese Unterstellungen jeder
Grundlage entbehren.
Wie
viele der Vorwürfe gegen die "Iranische
Flüchtlingskinderhilfe" müssen sich bewahrheiten,
damit Sie zurücktreten?
Anne
Lütkes: Sie sind nicht wahr.
Sie
dürften die erste Justizministerin in der Bundesrepublik
sein, die im Visier des Bundeskriminalamtes steht. Wie
fühlen Sie sich da?
Anne
Lütkes: Ich kenne das Visier des BKA nicht. Im
übrigen hoffe ich sehr, dass die Kinder jetzt nicht in
eine Diskussion hineingezogen werden, die ihrer
Entwicklung schaden könnte.
z
u r p e r s o n
Anne Lütkes
Die Kölnerin Anne Lütkes ist seit dem 28. März
2000 stellvertretende Ministerpräsidentin und Ministerin
für Justiz, Frauen, Jugend und Familie in
Schleswig-Holstein. Die 52-jährige unterlag bei der
Oberbürgermeisterwahl 1999 in der Domstadt dem
CDU-Konkurrenten mit 45,2 Prozent der Stimmen erst in der
Stichwahl. Von Oktober 1999 bis zu ihrer Berufung nach
Kiel amtierte die langjährige Fraktionsvorsitzende der
Kölner Grünen als Bürgermeisterin der Stadt Köln.
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