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10.08.2000 |
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| Von Pascal Beucker |
| Comedian
Ingo Appelt wohnt in Bergisch-Gladbach, sagt ständig
"ficken" und kommt ab September einmal pro
Woche. Comedy boomt im Fernsehen. Eine Show jagt die nächste. Nun kommt auch noch die "Ingo Appelt Show" dazu. Muss das sein? Ingo Appelt: Wir machen die erste Comedy-Show, die sich einen Auftrag gesetzt hat. Dieses Format gibt es weltweit nirgendwo. Mein Thema ist: Ich blase zum geordneten Rückzug der Männlichkeit. Ich versuche mich als Vermittler zwischen den starken Frauen und den etwas angegriffenen Männern, und den Jungens zuzurufen: Macht mal langsam, schmeißt euch mal in die emanzipatorische Hängematte. Der Geschlechterkampf als Comedy? Ingo Appelt: Ich weiß, dass Frauen und Männer nicht vernünftig miteinander kommunizieren können. Die Frage ist, ob wir es nicht schaffen, in friedlicher Koexistenz mit gelegentlichem Sex über die Runden zu kommen. Denn eigentlich wollen wir alle glücklich miteinander sein. Es ist doch so: Alles, was in einer modernen Mediengesellschaft wichtig ist, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, ist eigentlich von der Anlage her eine weibliche Geschichte. Was Männer am besten können, ist Atombomben bauen, Kriege führen, Autos herstellen, Pitbulls abrichten, Frauen vergewaltigen, Kinder schänden das sind alles so Tätigkeiten, wo man sagt: Brauchen wir gerade nicht mehr. Das Refugium Männlichkeit ist eigentlich ein bisschen dahin. Das wollen Sie in Ihrer Show vermitteln? Ingo Appelt: Mal gucken, wie weit ich komme. Wenn das Ergebnis sein sollte, dass Frauen und Männer nicht zusammenpassen, und wir Männer dann doch zum Neandertaler des 21. Jahrhunderts verkommen, dann haben wir verloren. Und Sie glauben, dass dieses Konzept Ihnen die nötige Einschaltquote bringen wird? Ingo Appelt: Überall wo das Elend herrscht, ist der Komiker ein gern gesehener Gast. Frustrationen und Enttäuschungen sind immer ein Riesenpotenzial für Komiker, um darüber Witze zu machen. Auf der Bühne mache ich das jetzt seit zehn Jahren. Da haben auch immer alle gesagt: Das geht alles nicht mehr, jetzt ist der Comedy-Boom zu ende und es werden weniger Zuschauer. Nichts davon ist eingetreten. Alles nicht wahr, Ingo Appelt ist immer noch da. Sehen Sie sich als politischen Komiker? Ingo Appelt: Zwar hat meine Show jetzt nicht eine überdimensionierte politische Botschaft, aber sie ist schon politisch, weil das Thema gesellschaftlich brisant ist. Ich finde, dass Komik etwas sehr Politisches ist. Du bist ein Spiegel der Gesellschaft und du bist auch immer einer, der an die Grenzen gehen muss. Als alter Gewerkschafter bin ich es gewohnt, die Leute zur Weißglut zu bringen und damit die Leute emotional aufzuladen. Was ich überhaupt nicht ausstehen kann, ist so ein vermeintlich apolitischer Humor à la Karneval, dieses selbstgefällige Sich-auf-die-Schulter-klopfen. Das ist reaktionär. Prägt Sie da immer noch Ihre gewerkschaftliche Vergangenheit? Ingo Appelt: Das ist der Sumpf, aus dem ich komme. Gerade die IG Metall war ja auch immer eine sehr provokante, eine sehr laute Gewerkschaft, IG Krawall eben. Das hat mich geprägt und dem bleibe ich bis zu meinem Lebensende loyal. Ich bin nicht immer unbedingt mit den politischen Zielen der IG Metall einverstanden, die gehen mir in ihrer Selbstgefälligkeit und in ihrer etwas mittelalterlichen Herangehensweise an viele Geschichten auch ein bisschen auf den Sack aber grundsätzlich sage ich: Das sind einfach Kollegen. Da komme ich halt her. Ihre Produktionsfirma Brainpool versteht sich im Merchandising. Wann gibt es die erste Ingo Appelt-Perücke zu kaufen? Ingo Appelt: Wenn sich so etwas anbietet. Wahrscheinlich wird es dann von mir auch Tampon-Ketten geben mit blutigen Tampons, wo dann die Männer Frauensolidarität zeigen können. Aber ich versuche, das nicht zu überstrapazieren und will keinen Ingo Appelt-Ausverkauf. Da muss ich auch Brainpool etwas ausbremsen. Die möchten natürlich alles verkaufen. Ich möchte aber nicht auf die Titelseite vom Manager-Magazin, wo vorne drauf steht: Der kann aus Scheiße Geld machen. Das sollen die Bohlens und die anderen Knalltüten machen. Sondern? Ingo Appelt: Ich will sexy und geil sein. Und auf die Titelseite vom Playboy oder vielleicht von EMMA. Haben Sie schon ein entsprechendes Angebot bekommen?
Ingo
Appelt: Leider nicht. Aber: Wir arbeiten dran! |
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