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20.12.2001 |
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| Von Pascal Beucker |
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Christoph Meertens,
Vorsitzender der „Iranischen Flüchtlingskinderhilfe“, zur Razzia
gegen seinen Verein.
Herr Meertens, die Räume der Iranischen Flüchtlingskinderhilfe sind durchsucht worden. Was wird Ihrem Verein konkret vorgeworfen? Christoph Meertens: Dem Verein wird gar nichts vorgeworfen. Da ist auch einiges in der Kölner Presse falsch berichtet worden: Es sind nicht „bundesweit 25 Einrichtungen des Vereins“ durchsucht worden. Der Verein ist nicht „bundesweit“ tätig und es sind die Geschäftsräume und zwei Wohngruppen des Vereins sowie zwei eines anderen Kinderheims durchsucht worden. Die sonstigen durchsuchten Örtlichkeiten sollen zum Sympathisantenkreis der Volksmudschaheddin gehören. Weshalb sind dann die Räume des Vereins durchsucht worden? Christoph Meertens: Weil Beweismittel beschlagnahmt werden sollten in einem Ermittlungsverfahren „im Umfeld des Vereins“, wie sich die Staatsanwaltschaft ausdrückt. Es wird behauptet, dass Kinder, die in dem Verein betreut worden sind, zu Unrecht Leistungen bezogen hätten. Dieses Gerücht entstammt einem BKA-Papier. Der Focus hatte das bereits im August vergangenen Jahres aufgegriffen und eine große verleumderische Pressekampagne gegen uns inszeniert. Damals haben wir alles Mögliche, sogar unsere gesamten Buchungsunterlagen, der Polizei zur Verfügung gestellt. Zudem habe ich mehrfach der Staatsanwaltschaft angeboten, alle ihre Nachfragen zu beantworten. Bisher hat sie auf dieses Kooperationsangebot nicht reagiert. Stattdessen gibt es jetzt diese Durchsuchungsmaßnahmen – mit einem Focus-Redakteur im Schlepptau. Es wird allerdings nicht nur wegen des Verdachts auf Sozialhilfebetrug, sondern auch wegen Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Christoph Meertens: Hier soll ein Totschlagargument, das wir aus den 70-er und frühen 80-er Jahren kennen, auf eine Personengruppierung angewandt werden, deren Schicksal sicherlich nicht so einfach zu vermitteln ist. Denn es geht hier um Kinder von Menschen, die im militanten Widerstand zu einem diktatorischen Regime stehen und deswegen dort brutal verfolgt werden. Wir haben nie verschwiegen, dass wir uns um Kinder aus dem Lebenszusammenhang der iranischen Volksmudschaheddin kümmern und wir wussten von Anfang an, dass das eine hochbrisante Angelegenheit ist. Dass aber das Engagement für diese Kinder so viele Schwierigkeiten mit sich bringen würde, das habe ich nicht geahnt. Ich sympathisiere nicht mit den Volksmudschaheddin, aber ich will, dass deren Kinder eine Überlebensperspektive haben. Den Jugendlichen vorzuwerfen, sie seien Mitglieder in einer kriminellen Vereinigung, ist in meinen Augen ein Witz. Die Ermittlungen sollen sich nicht gegen die Jugendlichen, sondern speziell gegen zwei Aktivistinnen der Volksmudschaheddin richten, die zum Gründungskreis Ihres Vereins gehören. Christoph Meertens: Die beiden Beschuldigten sind tatsächlich Gründungsmitglieder des Vereins, auch an Vorstandssitzungen haben sie teilgenommen. Deswegen hatten sie jedoch nach meiner Kenntnis nicht die Möglichkeit, illegal Gelder abzuzweigen – falls sie dies überhaupt je beabsichtigt haben. Sehen Sie nicht die Arbeit Ihres Vereins durch die Ermittlungen und solche Polizeiaktionen gefährdet? Christoph Meertens: Nein, weil ich die erhobenen Vorwürfe für haltlos halte. Wir haben bis jetzt sämtliche Prüfungen des Vereines anstandslos passiert. Sie werden also Ihre Arbeit in dem Verein fortsetzen? Christoph Meertens: Gegenwärtig habe ich keinen Anlass, meine Arbeit zu beenden. |
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